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Nach dem Antrag ist vor der Hochzeit!

… und wie läuft das denn mit dem Standesamt?



Nachdem der Antrag zur beidseitigen Zufriedenheit mit einem „Ja“ besiegelt wurde, geht es weiter mit den Anträgen – allerdings nicht mehr romantisch. Ich meine den Antrag oder besser die „Anmeldung zur Eheschließung“. Wer bislang dachte, dass er oder sie diese Anmeldung ja bereits mit dem Antrag bei der Liebsten klar geäußert hatte, liegt falsch. Denn die nächste harte Nuss ist das Standesamt. Am Standesamt führt kein Weg vorbei.


Ein Standesamt ist ein AMT und ein Standesbeamter ein BEAMTER. Spätestens jetzt ist das Romantik-Barometer nach unten geschossen, oder? Generell gilt: Ihr könnt überall auf der Welt heiraten. Umso exotischer und abgelegener, desto teurer und aufwendiger in Vorbereitung, Planung und Umsetzung. Papiere müssen beglaubigt und ggf. übersetzt beim Standesamt des Heimatortes anerkannt werden. Es gibt Agenturen, die Euch dabei helfen. Und so verschieden wie die Länder dieser Welt sind, sind auch die Regelungen.

Darum bleiben wir heute in Deutschland, denn die meisten Paare heiraten in der Heimat. Und da wir hier in Hamburg sind, bleiben wir einfach hier. In Hamburg gibt es mehrere Standesämter. Welches für Euch zuständig ist, erfahrt Ihr hier:Hamburg Standesamt.


Ihr seid dem Link gefolgt? Habt ungläubig gestaunt und gedacht: „Wirklich – all dies?“ Ja, da müsst Ihr durch. Bis Ihr dort, bewaffnet mit einem Personalausweis in einem schuhkartongroßen Amtszimmer, zusammen mit einem mittelalten Herren in schlecht sitzenden Tweed mit Oberlippenbart sitzt, ist einiges vorzubereiten und abzuarbeiten. Ich meine in diesem Falle nicht den Bräutigam, liebe Mädels! Ich meine den Beamten, der die Ehe schließen wird.

Leider musste ich beobachten, dass in den letzten Jahren, besonders nach Corona, die Serviceaffinität diametral zur Bürokratisierung und Geschwindigkeit der Bearbeitung der Anträge verläuft. Service runter – und bei der Bürokratie darf es stetig ein bisschen mehr sein. Darum als erstes: Schraubt Eure Erwartungshaltung herunter. Dann kann es passieren, dass Ihr positiv überrascht werdet. Was z.B. passieren kann, wenn Ihr Euch für ein nettes kleines ländliches Standesamt entscheidet. Im Moloch Hamburg ist diese Chance eher weniger hoch.


Also, Erwartung herunter, dann kann man schließlich nicht so leicht enttäuscht werden. Lasst Euch nicht entmutigen von großem Schweigen nach dem Einreichen der Papiere, auch nach mehrfacher Nachfrage. Ja, es wird Wochen oder gar Monate dauern, bis Ihr etwas hört und Euer Antrag an der Reihe ist. Wenn Ihr aber dran seid, etwas zu liefern, sind die Fristen kurz. Eure Papiere dürfen nicht älter als sechs Monate sein. Was viele Paare in die Verlegenheit bringt, die Location bereits 1-2 Jahre vorher reserviert zu haben und der Termin sowie die Zusage des Standesamtes fehlt. Wenn Ihr Euren Stresslevel wieder in den grünen Bereich bringen möchtet, macht Euch frei von dem Gedanken, dass alles an einem Tag passieren muss.

Keine Antworten, ob alles klappt oder noch etwas benötigt wird, trotz mehrfacher Nachfrage, sind im Übrigen der Standard. Und im Hintergrund läuft alles weiter. Gäste werden eingeladen, Hotelzimmer gebucht und vieles mehr. Bitte behaltet starke Nerven und tröstet Euch mit dem Gedanken, dass es allen Paaren so geht. Ihr seid in allerbester Gesellschaft!

Freundet Euch mit dem Gedanken an, dass die standesamtliche Trauung Tage oder Wochen vor der Hochzeitsparty sein könnte. Tröstet Euch mit dem Gedanken, dass der Amtsschimmel nur Eure Absicht zu heiraten überprüfen möchte und all das ein Test ist! Ich hege mittlerweile den Gedanken, dass es sich hier um einen Geheimbund handelt, der die Ehefähigkeit und den festen Willen der Paare testet und sich wahrscheinlich in geheimen Treffen darüber austauscht, wie genau das möglichst nervenaufreibend zu überprüfen ist. In dieser Zeit wird das behördliche Telefon abgestellt und das Internet geht ein paar Tage zur Kur.


Nur so kann ich mir erklären, warum das alles soooo lange dauert und so aufwändig und teuer ist. Denn bezahlen müsst Ihr diesen Service natürlich ebenso.


Genießt das Gefühl, wenn Ihr das Go! bekommt und offenabr alles richtig ist. Termin steht, alles ist da und ümständlich bestätigt und es gibt endlich grünes Licht vom Standesamt! Macht eine Flasche Crémant auf! Ihr habt es wahrlich verdient.


P.S. Sollte es irgendjemand von Euch gelingen, einen Standesbeamten in die Alster Au zu bugsieren, der Euch rechtmäßig traut, schenke ich Euch die Hochzeit!

 
 
 

8 Kommentare


Vielen Dank für diesen wirklich interessanten Beitrag! Ich bin ganz deiner Meinung, was den Antrag betrifft – du sprichst mir damit wirklich aus der Seele. Es ist so wichtig, dass dieser Moment gut überlegt ist, und dein Artikel bringt das wunderbar auf den Punkt. Ich habe selbst schon einige Anträge miterlebt, sowohl bei Freunden als auch in der Familie, und dabei festgestellt, wie unterschiedlich die Reaktionen sein können, je nachdem, wie durchdacht die ganze Sache war. Deine Ausführungen erinnern mich stark an eine eigene Erfahrung, bei der die Vorbereitung leider etwas zu kurz kam, was zu einer eher unerwarteten Situation führte. Ich würde mich sehr über einen Folgeartikel freuen, der sich vielleicht noch tiefer mit den verschiedenen Aspekten der Antragsvorbereitung…


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Vuong
Vuong
27. Mai

Das trifft wirklich den Nagel auf den Kopf, da habt ihr eine super treffende Analyse geliefert! Man spürt richtig, wie viel Gedanken und Arbeit in diesem Beitrag stecken. Gerade die Idee, dass nach der eigentlichen Antragstellung noch so viel mehr kommt, finde ich faszinierend. Es ist ja nicht nur die eine große Geste, sondern der Beginn von etwas Neuem, das Pflege braucht. Ich frage mich auch, ob dieser Antrag, den ihr hier so toll beleuchtet, noch weitere Entwicklungsstufen vor sich hat. Manchmal sind die ersten Entwürfe ja nur der Anfang, und die besten Ideen entstehen erst im Laufe der Zeit. Eure Ausführungen haben mich jedenfalls zum Nachdenken angeregt und ich werde eure Gedanken als Referenz behalten, wenn ich selbst über…


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Seth
Seth
26. Mai

Dieser Beitrag hat mich wirklich sofort angesprochen und das Gefühl gegeben, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken zum Antrag. Es ist so erfrischend zu lesen, dass endlich jemand dieses Thema so offen anspricht und die vielen Fragen, die damit einhergehen, thematisiert. Ich frage mich wirklich, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben, gerade was die Erwartungen danach angeht. Manchmal fühlt es sich an, als ob nach der eigentlichen Frage die eigentliche Planung erst richtig losgeht und das kann ganz schön überwältigend sein. Aber genau diese Ehrlichkeit macht den Text so wertvoll. Für mich ist das einer der besten und aufschlussreichsten Beiträge, die ich in letzter Zeit zu diesem Thema gelesen habe. Er regt zum Nachdenken an und gibt einem…


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Tyree
Tyree
26. Mai

Hallo! Ich muss sagen, ich stimme diesem Beitrag über den Antrag und die Zeit danach voll und ganz zu. Deine Ausführungen haben mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Besonders der Punkt, dass nach dem "Ja" die eigentliche Planung beginnt, trifft es auf den Punkt. Ich erinnere mich noch gut an unseren eigenen Antrag vor ein paar Jahren. Die Freude war riesig, aber dann kam tatsächlich die Phase, in der wir uns um alles kümmern mussten. Manchmal wünschte ich, ich hätte damals schon so einen ausführlichen Leitfaden wie diesen Beitrag gehabt, um einen besseren Überblick zu bekommen. Was mir persönlich noch gefehlt hat, ist ein bisschen mehr zum praktischen Ablauf der Vorbereitungen. Klar, die großen emotionalen Momente sind wichtig, aber wie geht…


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Mitchel
Mitchel
26. Mai

Hallo liebes Blog-Team, vielen Dank für diesen wirklich aufschlussreichen Beitrag! Man merkt, dass ihr euch da sehr viel Mühe gegeben habt, und das schätze ich wirklich sehr. Ich finde es toll, wie detailliert ihr auf die einzelnen Aspekte eingeht. Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art und Weise, wie ihr die Komplexität des Themas beleuchtet. Ich kenne tatsächlich einige Leute, die sich für solche Themen brennend interessieren, und ich werde diesen Artikel auf jeden Fall mit ihnen teilen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich selbst am Anfang mit meinem eigenen Antrag etwas zu kämpfen hatte. Es war nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte, und ich bin gespannt, ob sich hier im Laufe der Zeit noch weitere…


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